Unterstützung der oralen Chemotherapie

Der Digitale Therapiebegleiter

Experte für Therapie 6 min

Jedes Jahr erkranken weltweit 15 Millionen Menschen an Krebs. Durch immer neue und spezifische Therapien werden die Heilungschancen immer besser. Viele Patienten können mittlerweile auch ambulant versorgt werden. Durch die Möglichkeit, sie in ihrem vertrauten Umfeld zu behandeln, steigt ihre Lebensqualität. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Behandlung mit oralen Chemotherapien. Doch die Freiheit der Selbstbestimmung kann auch eine Herausforderung der Therapietreue sein.

Orale Chemotherapien für zu Hause

Im Gegensatz zur herkömmlichen Infusions-Therapie in der Praxis oder im Krankenhaus, kann der Patient mit oralen Chemotherapeutika nun auch zu Hause behandelt werden. Durch die Verteilung der Dosis über mehrere Tage kann sich die körperliche Belastung verringern. Die Selbstständigkeit des Patienten wird unterstützt und gefördert, das Infektionsrisiko gesenkt.

Eine orale Chemotherapie wird vor allem dann verschrieben, wenn ein Tumor operativ nicht restlos entfernt werden kann. Auch dient sie oft der Vorbereitung einer Operation und wird mit anderen Therapiemethoden kombiniert. Die Wirkstoffpalette ist vielfältig. Immer neue Medikamente machen die orale Chemotherapie auch für immer mehr Anwendungsgebiete möglich. Einige Medikationsformen wirken nur regional begrenzt an bestimmten Tumorherden, andere wiederum werden vom ganzen Körper aufgenommen und verteilt (systematische Medikamente).

Gegen welche Tumoren gibt es orale Chemos?

Experte für Behandlung
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Nicht für alle Krebsarten gibt es orale Chemotherapie. Denn von der Wirkweise unterscheiden sich orale Zytostatika von intravenösen Medikamenten. Es gibt Medikamente, welche die Magen-Darm-Passage überhaupt nicht überstehen und aus diesem Grund nicht oral verabreicht werden können. Eignen tut sie sich aber beispielsweise für alle gastrointestinalen Tumoren wie Darmkrebs und Magenkrebs. Weiterhin gibt es Wirkstoffe für Brustkrebs, Gehirntumoren, Leukämie und Lymphdrüsenkrebs (bspw. Hodgkin-Lymphome, Melanome). Aktuell sind in Deutschland über 70 orale Zytostatika zugelassen.

Vorteile einer oralen Chemotherapie

Hohe Selbstbestimmung

Die Vorteile einer oralen Chemotherapie liegen in erster Linie in der Selbstbestimmbarkeit des Patienten. Denn dieser stützt den Selbstwert des Patienten und vermittelt ihm die Fähigkeit, seine Therapie „im Griff“ zu haben. In dieser Selbstverantwortung unterstützt er maßgebend den Erfolg der Therapie

Bessere Lebensqualität

Die orale Chemotherapie ist örtlich flexibel, denn der Patient kann seine Tabletten auch zu Hause oder sogar im Urlaub einnehmen. Das verringert die Arzt- oder Klinikbesuche und entlastet den Patienten sowohl psychisch als auch physisch.

Keine Infektionsgefahr

Weiterhin ist kein intravenöser Zugang mehr erforderlich. Daher kommt es zu keinen Venenreizungen oder Entzündungen an den Einstichstellen. Besondere Hygienevorschriften entfallen.

Ablauf einer oralen Chemotherapie

Einmal die Woche bekommt der Patient seine Tabletten von der Apotheke geliefert. Für den Erfolg der Therapie ist es enorm wichtig, die Tabletten exakt zu den vorgegeben Zeiten einzunehmen. Dabei kann es helfen, sie in einem Schlauchblister geliefert zu bekommen. Alle Medikamente werden dann für die unterschiedlichen Einnahmezeitpunkte in kleine Tüten, sogenannte Schlauchblister verpackt. Die Medikamente werden nach Einnahmedatum und -uhrzeit geordnet. Sie werden industriell hergestellt und anschließend von Pharmazeuten befüllt.

Für die orale Chemotherapie werden Tabletten oder Kapseln verwendet, die regelmäßig und häufig auch in gewissen Zyklen eingenommen werden müssen. Diese werden mit viel Flüssigkeit geschluckt (wie andere Medikamente auch).

Schlauchverblisterung als Service der Apotheken

Experte für Medikamente
Experte für Medikamente

Viele Apotheken bieten mittlerweile eine Schlauchverblisterung an. Aufgrund des Heilmittelwerbe- und Antikorruptionsgesetzes ist es den Apotheken nicht gestattet, diesen Service kostenfrei anzubieten. Daher kommen monatliche Kosten von ca. 20-30 € auf einen zu. Der Vorteil ist aber, dass die Folgerezepte automatisch von der Apotheke vom betreuenden Hausarzt eingeholt werden. Man muss sich um nichts weiter kümmern. Weiterhin erhält man durch den digitalen Medikationsplan für die Verblisterung einen kostenfreien Wechselwirkungscheck mit allen anderen Medikamenten, die eingenommen werden müssen. Gerade bei vielen verschiedenen Präparaten ist das ein großer Vorteil.

Die Herausforderung der selbstbestimmten Therapie

Was zum einen die Lebensqualität erhöht, die örtliche Flexibilität ermöglicht und den Selbstwert stützt, ist zum anderen aber auch eine Herausforderung an die selbstverantwortliche Therapietreue.

  1. Da ist auf der einen Seite der Patient, der alles richtig machen will und einen Überblick über seine komplexe Therapie benötigt. Er will sichergehen, dass er die vorgeschrieben Medikation auch wirklich richtig einnimmt. Bei Bedarf möchte er sich an einen Experten wenden können und den Verlauf seiner Therapie dokumentieren.
  2. Auf der anderen Seite ist der Arzt, der wissen muss, ob die Medikamente vom Patienten korrekt eingenommen wurden, wie sich seine Vitaldaten entwickeln und ob er Nebenwirkungen hat. Aber er sieht den Patienten nicht mehr so oft.

Gerne würde sich der Arzt mehr um seine Patienten kümmern und sie persönlich bei ihrer Therapie begleiten. Auch alle anderen Beteiligen sollten bestmöglich eingebunden werden. In dieser Komplexität ist das aber leider kaum möglich.

Die digitale Therapiebegleitung als Unterstützung für den Patienten und den Arzt

Mittels einer Applikation auf einem Smartphone oder Tablet können nun alle Beteiligten die Therapie transparent dokumentieren und ihre Durchführung planen und überwachen. Diese App hilft sowohl dem Patienten als auch den Ärzten und Apothekern dabei, die onkologische Therapie durchzuführen.

Funktionen im Einzelnen:

  1. Der Onkologe hinterlegt in Abstimmung mit dem Apotheker die individuelle Therapie für den Patienten.
  2. Der Patient kann nun sichergehen, wann er welches Medikament einnehmen soll und dokumentiert seine reale Einnahme in der App.
  3. Weiterhin kann er alle Vitaldaten, die der Arzt überblicken will, direkt in der App erfassen. So lassen sich Veränderungen im Laufe der Therapie gut erkennen.
  4. Nun dokumentiert er eventuelle Nebenwirkungen.
  5. Dadurch hat der behandelnde Arzt hat einen genauen Überblick über alle Therapien. Erreicht einer seiner Patienten einen kritischen Wert, z. B. durch zu starke Nebenwirkungen, wird er darüber informiert.

Durch diese digitale Schnittstelle des Patienten zu seinem Behandler sieht der Arzt auf einen Blick, wie sich die Therapie entwickelt und wie der Patient darauf reagiert. Er kann nun gezielte Maßnahmen ergreifen und beispielsweise ein zusätzliches Medikament verordnen, was der Patient bei Bedarf einnimmt.

Der Vorteil ist die viel schneller Reaktionszeit bei Komplikationen oder Nebenwirkungen während der Therapie.

Hilfe für den Patienten

Aber auch der Patient selbst hat einen besseren Einblick in seinen Therapieverlauf. Sowohl die geplante als auch die durchgeführte Medikation wird dokumentiert. Die Medikationsart, der Einnahmezeitpunkt und die Dosierung werden auf einen Blick angezeigt. Durch die Speicherung dieser Daten kann nun auch der Patient den Verlauf seiner Therapie nachvollziehen. Passend zu seiner Therapie gibt es Hinweise, wie die Medikamente eingenommen werden und wie man mit möglichen Nebenwirkungen umgeht.

Das kann die persönliche Sicherheit, alles “richtig zu machen” maßgeblich unterstützen. Natürlich kann der Patient auch jederzeit Kontakt zu seinem onkologischen Praxis aufnehmen, das ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, um eine bestmögliche Therapie zu gewährleisten.

Mehr zum Digitalen Therapiebegleiter finden Sie hier.

Fazit

Die Vorteile der oralen Chemotherapie gekoppelt mit einer digitalen Therapiebegleitung ist eine gute Alternative bei vielen Krebserkrankungen, selbstbestimmt und sicher die eigene Therapie örtlich flexibel durchzuführen. Die Therapie wird für Ärzte und Patienten transparenter, strukturierter und dadurch sicherer durchführbar. Der Patient wird in seiner Selbstverantwortlichkeit unterstützt, und der Arzt hat stets einen Überblick über den Verlauf der Therapien. Die Kombination einer autonomen und selbstbestimmten Therapieform mit einer transparenten digitalen Therapieunterstützung kann den Erfolg dieser modernen Therapieform erhöhen.

Letzte Aktualisierung: 19. März 2019

Quellen

Bildmaterial: Die Urheber sind jeweils an den jeweiligen Abbildungen namentlich genannt. Für Abbildungen einer Artikelvorschau finden sie die Urheber im jeweiligen Artikel. Weitere Angaben zu unseren Bildquellen finden sie im Impressum. Alle Abbildungen unterliegen dem Urheberrecht des jeweiligen Urhebers und sind durch Copyright geschützt.

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