Prävention, Vorsorge

Das Risiko eines Rückfalls

Wie ist meine Prognose?

Die Angst vor dem Rückfall nach einer bereits überstandenen Krebserkrankung ist natürlich groß. Denn gerade in den ersten zwei Jahren nach der Krebserkrankung ist das Risiko hoch, dass sich der Tumor wieder bildet. In der Medizin wird der Rückfall auch Rezidiv genannt.

Was ist ein Lokalrezidiv?

Bei Brustkrebserkrankungen gibt es verschiedenen Formen von Rezidiven. Von einem Lokalrezidiv spricht man, wenn der Krebs in der schon einmal befallenen Brust auftritt, also am Ort des bereits überwunden geglaubten Tumorwachstums. Das Rezidiv bildet sich also entweder im operierten Brustgewebe, aber auch in unmittelbarer Nähe (lokoregionäres Rezidiv), in den Lymphknoten, Achseln oder in der Nähe des Schlüsselbeins. Das kann auch nach einer vollständigen Entfernung der betroffenen Brust passieren. Durch eine engmaschige Nachsorge fallen solche Rezidive meistens schon durch die Tastuntersuchung auf.

Was ist ein Rezidiv mit Metastasen?

Es gibt aber auch die Situation, dass sich freie Tumorzellen von dem einstigen Tumorherd gelöst haben und an einer anderen Stelle im Körper Tochtergeschwulste bilden. Diese Absiedelungen werden dann als Metastasen bezeichnet. Das betrifft die verschiedensten Organe wie Leber, Lunge oder auch das Gehirn oder kann auch das Knochenmark betreffen. Bemerken tut man Metastasen in aller Regel durch starke Schmerzen in der betroffenen Region. Manchmal werden auch in der Nachsorge durch bildgebende Verfahren Metastasen aufgespürt.

Wie hoch ist das Risiko, ein Rezidiv zu erleiden?

Die Wahrscheinlichkeit, erneut an dem bereits behandelten Krebs zu erkranken ist unterschiedlich hoch, aber höher, als das Ersterkrankungsrisiko. Daher gibt es sorgfältige und mindestens fünf Jahre andauernde Nachsorgeuntersuchungen. Das Risiko eines Lokalrezidivs im Gewebe der behandelten Brust liegt bei 5 bis 10 % aller Patientinnen. Seltener ist das Risiko eines Rezidivs in der Brustkorbwand nach einer Brustentfernung (Mastektomie). Das betrifft höchstens 4 bis 5 % der Patientinnen. Die Metastasierung hingegen stellt das größte Risiko dar. Etwa bei einem Viertel aller Betroffenen entwickelt sich in den ersten zwei Jahren ein Rezidiv mit Metastasen. 

Wie sind sind Heilungschancen bei einem Rezidiv?

Die Heilungschancen bei Brustkrebs hängen allgemein immer auch davon ab, wie früh man die Tumorbildung entdeckt. Weil das Rezidivrisiko leicht erhöht ist, gibt es die engmaschige Nachsorge. Sie kann ein Rezidiv zwar nicht verhindern, aber ihn schon früh entdecken. Und je früher ein Krebs entdeckt wird, desto aussichtsreicher kann er behandelt werden.

Eine zweite wichtige Komponente der Heilungschance ist der Ort des Rezidivs. Bei einem Lokalrezidiv ist es daher wichtig, das betroffenen Gewebe vollständig zu entfernen. Bei Metastasen hingegen ist die Krankheit chronifiziert. Eine vollständige Heilung ist in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Dennoch können heutige Behandlungen Metastasen über lange Zeit kontrollieren und die Lebensqualität aufrechterhalten.

Wie werden Rezidive entdeckt?

Die regelmäßige Nachsorgeuntersuchung beinhaltet neben einem ausführlichen Gespräch auch eine sorgfältige körperliche Untersuchung, u.a. eine Tastuntersuchung. Daneben werden bei den geringsten Auffälligkeiten auch bildgebende Verfahren wie die Mammographie oder Ultraschall eingesetzt, um möglichen neuen Krebsherden auf die Spur zu kommen. Neben den körperlichen Untersuchungen schulen die Nachsorgetermine auch die Achtsamkeit mit dem eigenen Körper. Dennoch ist es nicht so, dass es eine sogenannte “Krebspersönlichkeit” gibt. Bestimmte Ernährungsweisen und psychische Einstellungen sind nicht ursächlich für die Entstehung eines Tumors oder Rezidivs verantwortlich. Die Krebsentstehung ist komplex und ist ein Zusammenspiel der verschiedensten Komponenten.

Neben den oben beschriebenen diagnostischen Möglichkeiten wird auch die Konzentration von Tumormarkern gemessen. Das sind körpereigene Substanzen wie Proteine oder Peptide, die vom Tumor selbst oder aber auch vom Körper als Reaktion auf einen Tumor gebildet werden. Da sie wenig spezifisch sind, eignen sie sich nicht so sehr für das Screening als solches, vielmehr aber zur Verlaufskontrolle und Nachsorgeuntersuchung. Tumormarker allein geben keinen zuverlässigen Hinweis auf eine Tumorerkrankung, aber deren Vorhandensein und Verlaufswert können im Abgleich mit den anderen diagnostischen Methoden hilfreich zur Aufspürung von Tumoren sein.

Auch wenn das Wiedererkrankungsrisiko erhöht ist, macht die regelmäßige Nachsorge und die erhöhte eigene Achtsamkeit es möglich, schon frühzeitig Rezidive aufzuspüren und zu behandeln. Je früher eine neue Krebserkrankung erkannt wird, desto besser lässt er sich behandeln. Die Heilungschancen bei früh erkannten Tumoren ist sehr hoch.

Letzte Aktualisierung: 4. Oktober 2019

Bildmaterial: Die Urheber sind jeweils an den jeweiligen Abbildungen namentlich genannt. Für Abbildungen einer Artikelvorschau finden sie die Urheber im jeweiligen Artikel. Weitere Angaben zu unseren Bildquellen finden sie im Impressum. Alle Abbildungen unterliegen dem Urheberrecht des jeweiligen Urhebers und sind durch Copyright geschützt.