Mutmacher

Der Krebs und das Geld

Angst um unsere Existenz

Etwas, worüber bei einer Krebsdiagnose niemand nachdenkt: Wie finanziere ich eigentlich mein Leben? Je nachdem, ob man angestellt ist oder selbstständig, kann die finanzielle Misere, die eine langfristige Therapie mit sich bringt, schnell zur doppelten Belastung führen. Sind Kinder in der Familie, wird das Auskommen umso elementarer. Ich will erzählen, wie es mir selbst damit ging, plötzlich auf finanzielle Hilfe angewiesen zu sein, und wie wir diese Zeit überbrückt haben.

An Krebs zu erkranken, muss nicht immer zwangsläufig mit großen, finanziellen Schwierigkeiten einhergehen. Das Krankengeld kann durchaus ausreichend sein, um seinen Lebensstandard weitestgehend zu halten. Die Deutsche Krebshilfe gewährt aus ihrem Hilfsfonds Gelder, und auch soziale Träger wie die AWO oder die Caritas haben Härtefonds, aus denen Bedürftige Gelder auf Antrag erhalten können. 

Nichtsdestotrotz führen chronische Erkrankungen wie Krebs immer wieder dazu, dass Menschen zeitweise in Armut geraten. Deshalb ist es sinnvoll, dass du dich noch während der Diagnostik damit auseinandersetzt, wie du während einer möglichen Therapie deinen Lebensunterhalt erhalten kannst. Checke Sparkonten, halte mit deiner Krankenkasse Rücksprache und wende dich an den Sozialen Dienst des Krankenhauses. Dort bekommst du Hilfe.

Kämpfernatur trifft die Realität. Hart.

Bis heute sage ich: Dass ich die richtige, offizielle, endgültige Krebsdiagnose erst im Juli erhielt, knappe vier Wochen, nachdem mein Mann nach seiner Ausbildung wieder in ein festes, vollbezahltes Arbeitsverhältnis eingetreten ist, war unser Glück. Andernfalls hätte ich es mir gar nicht leisten können, todkrank zu sein. 

Mein Onkologe kündigte die Chemotherapie mit den Worten an: „Das ist ein Vollzeitjob“, und ich dachte, in den Erholungswochen nach wie vor arbeiten zu können. Ich war nicht nur selbstständig, als ich die Diagnose Morbus Hodgkin erhielt, sondern auch naiv. Es brauchte lediglich knappe 39,5° C Fieber am ersten Tag der Erholungswoche, um mich darüber aufzuklären, dass texten und eine Krebstherapie sich nicht zwangsläufig vertragen.

Für mich war die Erkrankung nicht nur per se eine Katastrophe, sondern auch aufgrund meines Status’: Ich war eine Mutter zweier Kleinkinder mit einer freiberuflichen Tätigkeit, deren Einnahmen einen großen Teil des Familieneinkommens ausmachte. Dass ich zwei Kleinkinder habe, war in der damaligen Situation aus einem Grund besonders wichtig: Ich arbeitete nicht ausreichend, um mir einen Anspruch auf die vollerwerbliche freiwillige Krankenversicherung zu garantieren. Für die Krankenkasse war ich nebenberuflich selbstständig – also auch ohne Anspruch auf Krankengeld. Damit begann mein siebenmonatiges Dilemma.

Menschen wie ich fallen durch das soziale Netz. Kein Anspruch auf Arbeitslosengeld, kein Krankengeld, zu krank um zu arbeiten. Als uns zum Schluss auch das Wohngeldamt und die Familienkasse mitteilten, dass mein Vorjahreseinkommen im Schnitt 50 Euro zu hoch lag, um Wohngeld oder Kinderzuschlag zu erhalten, verlor ich den Glauben an alles, was ich für gut und richtig hielt. Unsere soziale Absicherung in Deutschland ist gut – aber für Todkranke nicht gut genug.

Ich war krank, und ich war pleite.

Die Angst, die Schuld, der Kampf

Es war die Panik, die sich in einer ruhigen Minute leise durch die Dunkelheit in meine Magengrube schlich. Die meinen Brustkorb hinaufkroch und mir die Kehle zuschnürte, wenn ich nachts im Bett lag. Von Schmerzen heimgesucht, die mich bis in die Knochen erschütterten, während die Medikamente gegen den Krebs und der Krebs gegen meinen Körper kämpften, vergoss ich zusätzlich bittere Tränen darüber, dass ich nicht wusste, wie ich den nächsten Monat finanziell überstehen sollte. Es war eine menschenunwürdige Kombination: Während ich versuchte, nicht zu sterben, all meine Kraft in mein Überleben steckte, saß ich tagsüber am Schreibtisch und ertrank in Papierkram. Antrag um Antrag füllte ich aus, um nicht am Ende zwar am Leben, aber bitterarm zu sein.

Dabei gehöre ich noch zu den Privilegierten: Ich bin verheiratet und mit dem Vater meiner Kinder noch zusammen, muss meinen Lebensunterhalt also nicht allein bestreiten. Meine Schwiegerfamilie unterstützt uns in jeder Lebenslage, und allein mein Schwager hat uns während der Chemotherapie einen vierstelligen Geldbetrag geliehen, damit wir laufende und zusätzliche Kosten bestreiten konnten. Die Krankenkasse zeigte sich in vielen Zusatzleistungen kulant, und ich kam ohne kostspielige Zusatzmedikation aus.

Aber auch das ist die Realität von Krebserkrankten: Zu jedem Medikament, zu jeder Braunüle, zu jedem Pflaster, das uns während der Therapie angetan wird, zahlen wir einen Zusatzbeitrag. Pro Chemotherapiezyklus – bei mir waren es vier an der Zahl – kam ein dreistelliger Betrag an Selbstbehalt auf mich zu, den ich aus meiner eigenen Tasche berappen musste. Die Krankenkassen gewähren eine Freistellung von den Zuzahlungen, wenn diese 2% des jährlichen Familieneinkommens übersteigen. Aber bis dieser Antrag bewilligt ist, bezahlst du jeden. einzelnen. Cent. allein.

Gleichzeitig hängt bei jeder Antragstellung der stumme Vorwurf in der Luft: Warum hast du nicht besser vorgesorgt? Wo sind deine Ersparnisse? Wann gehst du denn wieder arbeiten? Denn darauf zielen alle Förderungen der Krankenkassen und Rentenversicherung am Ende ab: Du solltest schnellstmöglich wieder zu einem produktiven Mitglied der Gesellschaft werden. Wer dieses Ziel nicht erreicht, kommt in arge Bedrängnis.

Aus der Krankheit in die Unabhängigkeit

So kam es, dass ich exakt vier Wochen nach dem offiziellen Ende der Chemotherapie wieder am Schreibtisch saß und schrieb. Ich nahm meine Selbstständigkeit wieder auf, um meinen Unterhalt wieder selbst zu verdienen. Die Lage war trüb: Der Dispo war bis zum Anschlag überzogen, ich hatte Schulden bei Familie und Freunden und musste meine Berufstätigkeit von Null an wiederaufbauen.

Ein Jahr später haben wir einen Teil der Schulden abgebaut, das Einkommen ist zumindest teilweise sichergestellt und ich nehme mich als unabhängig war. Gleichzeitig ist mir klar, dass ich gar keine andere Wahl habe – wir sind alle unseres eigenen Glückes Schmied, sobald das Leben nicht nach Plan läuft. Aber ich weiß auch: Ich habe den Krebs besiegt – es gibt nichts, was mich niederringen könnte.

MutmacherDie Diagnose ist ein Schock. Alles ändert sich. Da tut es gut, einen kompetenten und vertrauensvollen Arzt an seiner Seite zu haben, der mit einem alle Schritte gemeinsam geht. Er beantwortet nicht nur Ihre drängendsten Fragen, sondern kontrolliert auch stets den Verlauf Ihrer Behandlung. Bereiten Sie sich gut auf die Termine vor und schreiben Sie sich alle Fragen auf. Nutzen Sie die Chance und besprechen Sie vor allem Ihre Ängste und ganz persönlichen Sorgen mit Ihrem.