Zweitmeinung bei Krebs

Wann eine zweite Meinung sinnvoll ist

Krebs ist eine Diagnose, die so schwerwiegend ist, dass man sich nicht nur auf eine Meinung verlassen muss. Daher besteht die Möglichkeit, sich auch von anderen Onkologen eine diagnostische und therapeutische Beurteilung einzuholen. So kommen Sie zu einer Zweitmeinung bei Krebs.

Diagnostik hat viel mit Interpretation zu tun. Daher gibt es oft kein ‘richtig’ oder ‘falsch’, sondern nur verschiedene Erfahrungen, die sich gemeinsam befruchten und erst daher zu einer profunden Therapieempfehlung führen können.

Der Weg der Diagnose

Im Normalfall erfolgt bei Beschwerden die Vorstellung beim Hausarzt. Dieser wird nach einer Untersuchung mit unklarem Befund den Patienten weiterverweisen, meistens an eine Klinik, die über die modernen bildgebenden Verfahren wie CT, MRT oder PET verfügt. Dort werden weitere Untersuchungen vorgenommen, u. a. oft auch eine Biopsie. Das Ergebnis des pathologischen Befundes und aller Untersuchungen ist die Diagnose. Diese sich daraus entstehende Behandlungsempfehlung ist die sogenannte “Erstmeinung”.

Im Krankenhaus gibt es für schwierige Fälle komplexer Erkrankungen wie beispielsweise Krebs regelmäßige Sitzungen, an denen verschiedene Ärzte, Therapeuten und andere Gesundheitsberufe teilnehmen. Gemeinsam besprechen Sie Ihre Befunde und empfehlen die nächsten Behandlungsschritte. Eine Diagnose durch eine interdisziplinäre und interprofessionell besetzte Tumorkonferenz ist Standard in DKG-zertifizierten Onkologischen Zentren und Organkrebszentren. Man spricht auch von einer qualifizierten Erstmeinung.

Warum sind Zweitmeinungen bei Krebs sinnvoll?

Eine qualifizierte Erstmeinung ist diagnostisch sorgfältig erarbeitet. Es handelt sich um therapeutische Empfehlungen einer Klinik, eines niedergelassenen Onkologen oder eines spezialisierten Zentrums.

Es ist sehr wichtig, seinem Arzt und der Behandlung voll zu vertrauen, denn das ist ein wesentlicher Teil des Behandlungserfolges. Eine Zweitmeinung kann dann eine gute Ergänzung sein. Das kann auch das Verhältnis zum behandelnden Onkologen stärken und die Therapie unterstützen.

Für eine Zweitmeinung bei Krebs wird in der Regel die Diagnose und die Therapieempfehlung formal überprüft. Manchmal entscheidet eine nochmalige Tumorkonferenz über eine Therapiekorrektur, wenn neue Erkenntnisse oder eine neue Krankheitsentwicklung vorliegen.

Daher existiert das gesetzliche Recht eines Patienten auf eine zweite Meinung. Diese können Sie nun bei einem einzelnen niedergelassenen Arzt oder durch ein Tumorboard eines anderen Krankenhauses mithilfe aller Befunde und Ihrer Patientenakte einholen. In die Patientenakte muss der behandelnde Arzt seinem Patienten Einsicht gewähren und Ihnen bei Verlangen als Kopie aushändigen.

Was Sie für eine Zweitmeinung brauchen:

  • Entlassungsbriefe
  • pathologisches Gutachten der Gewebeprobe
  • Laborübersichten
  • Befundbriefe zu diagnostischen Untersuchungen (Ultraschall, Endoskopie)
  • Befundbriefe zu radiologischen Untersuchungen (MRT, CT, PET-CT, Röntgen)

Zweitmeinung bei Krebs

Nachdem alle Unterlagen geprüft wurden, wird von den Verantwortlichen eine Zweitmeinung erarbeitet, die sowohl die Situation, also die diagnostische Einschätzung der Erstmeinung, als auch den Behandlungsvorschlag beurteilt. Diese Einschätzung wird dann gemeinsam mit Ihnen besprochen. Sie bekommen dann eine schriftliche Zusammenfassung der Empfehlung.

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Generell ist es immer ratsam, zu allen diesen Gesprächen mit den Ärzten eine vertraute Person mitzunehmen. Denn durch die belastende Situation kann es Ihnen schwer fallen, genau hinzuhören und eventuelle Rückfragen zu stellen.

Wer trägt die Kosten?

Rein rechtlich dürfen Patienten eine Zweitmeinung bei einem weiteren Facharzt einholen. Dafür übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten. Das bezieht sich auch auf eine qualifizierte Zweitmeinung durch ein Tumorboard mit einem interdisziplinären Ärzteteam. Die Kosten für alternative Therapeuten und Komplementärmediziner hingegen werden nur in Ausnahmefällen erstattet. Es lohnt sich immer der Blick in den abgeschlossenen Versicherungsvertrag.

In jedem Fall ist es ratsam, sich mit der Krankenkasse in Verbindung zu setzen, bevor man aktiv wird.

Fazit

Die Zweitmeinung bei Krebs dient der Überprüfung einer Behandlungsempfehlung. Sie steht rechtlich jedem Patienten zu und wird in den meisten Fällen auch von der Krankenkasse übernommen. Manchmal kann es sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Vertrauen Sie Ihrem Behandler, aber vergrößern Sie den Beurteilungsradius. Das hilft auch Ihrem Arzt. Entweder wird seine Empfehlung bestätigt, dann stärkt das Ihr Vertrauen in ihn, oder es wird ein anderes Vorgehen empfohlen, dann kann das Behandlung verbessern helfen. So oder so kann daraus eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung erwachsen, was enorm wichtig für jede Therapie ist.

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