Wie werde ich behandelt?

Nach der Diagnose “Darmkrebs“ herrscht verständlicherweise Angst, Unsicherheit und Ungewissheit. Doch die erste Therapieregel lautet: Nichts überstürzen! Denn Darmkrebs ist meistens kein Notfall. Wenn kein Darmverschluss droht, gibt es selten Grund zur Eile. Sie haben Zeit und sollten sich auch diese Zeit auch nehmen, um sich mit den nächsten Schritten auseinanderzusetzen. Stellen Sie Ihren Ärzten Fragen, um besser zu verstehen und mitzuentscheiden, wie es weitergehen soll. Eine primäre Operation ist nicht immer die Therapie der ersten Wahl! Heute wird jede Behandlung individuell geplant. Die Therapievielfalt ist überwältigend und das Vertrauen in die behandelnden Ärzte wichtiger denn je. Die Therapieerfolge hängen oft mehr an dem Zugang zu qualifizierten Onkologen und einem erfahrenen kompetenten Behandlungsteam.

Die Behandlung von Darmkrebs

Rektumkarzinom

In Frage kommen je nach Stadium sofortige OP, eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie vor der anschließenden OP und / oder eine Chemotherapie alleine oder eine Radio-Chemotherapie zusätzlich nach der OP, wenn vorher keine andere Therapie erfolgt ist. Die manchmal recht schwierige Entscheidung zum jeweiligen Vorgehen wird im Rahmen eines Tumorboards getroffen, damit Sie die für Ihren Fall bestmögliche Therapie erhalten können.

Kolonkarzinom

In der Regel wird der Tumor im Darm zügig operiert. Je nach Stadium schließt sich hier eine sog. “adjuvante” Chemotherapie an. Auch hier ist die Entscheidung zu einer ergänzenden Therapie machmal nicht so ganz einfach zu treffen. Im Artikel finden Sie eine nähere Erläuterung, wann eine additive Therapie möglicherweise in Frage kommt. Immer wird Sie Ihr behandelnder Onkologe aber ausführlich zu den vorhandenen Möglichkeiten beraten.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Darmkrebs?

Als lokale Therapien bezeichnet man Behandlungsformen, die sich speziell auf die erkrankte Körperregion beziehen. Erkranktes Gewebe wird dabei mittels einer Operation entfernt oder durch eine gezielte Bestrahlung behandelt. Als systemische Therapien bezeichnet man Behandlungsformen, die auf den gesamten Körper wirken, weil die Medikamente durch das Blut überallhin transportiert werden. Ausnahme bildet die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn außen vorlässt.

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Lokale Therapien

Operationen

Wie können kleine Tumoren entfernt werden?

Eine lokale Tumorentfernung ist besonders in einem frühen Krankheitsstadium sinnvoll und oft ausreichend. Dabei wird, ähnlich der Koloskopie, ein Endoskop über den After bis zur betreffenden Stelle des Tumors im Darm vorgeschoben. Dann wird die befallene oberflächliche Darmschleimhaut entfernt (endoskopische Mucosaresektion) oder zusätzlich noch die Schicht zwischen Schleimhaut und Muskelschicht (endoskopische Submucosadissektion). Manchmal kann es aber auch notwendig werden, die gesamte Darmwand im befallenen Bereich zu entfernen, also eine sog. endoskopische Vollwandresektion durchzuführen. Um sicherzustellen, um welche Art von Krebs es sich handelt, wird jedes entnommene Gewebematerial immer pathologisch untersucht. Erst dieses Ergebnis zeigt, ob dieser lokale Eingriff ausreichend war. Eine R0-Resektion bestätigt, dass kein Tumorgewebe im Darm verblieben ist.

Bedingungen dafür sind:

  • sehr frühes Krebsstadium, laut der TNM-Klassifikation T1 (maximal Befall der Submukosa)
  • der Tumor ist höchstens 3 cm groß
  • die Krebszellen sind nicht zu stark entdifferenziert (das beschreibt das sogenannte Grading, d.h., das Ausmaß (Grad), in dem die Gewebeprobe vom normalen Gewebe abweicht, G1 oder G2)
  • an der Abtragungsrändern der Schleimhaut oder Darmwand wurden nach dem Eingriff keine weiteren Krebszellen gefunden (R0 – siehe oben).
Wie wird in der Regel ein Tumor im Darm entfernt?

Die wichtigste Maßnahme bei einer operativen Entfernung eines Tumors ist, dass diese möglichst vollständig geschieht. Das erkrankte Gewebe muss chirurgisch komplett mitsamt seiner umliegenden Lymphknoten aus dem Darm entfernt werden. Als Beispiel bezeichnet eine rechtsseitige Hemikolektomie also die Entfernung des vollständigen rechten Dickdarmabschnittes, eine linkssseitige Hemikolektomie die Entfernung des linken Dickdarmabschnittes. Bei letzterem Eingriff werden mindestens 50% des Dickdarms entfernt. Um die Wunde der neu zusammengenähten Darmenden zu schützen (die Anastomose), wird manchmal für eine gewisse Zeit ein künstlicher Darmausgang angelegt, der später wieder rückverlegt wird.

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Lokale Therapien

Strahlentherapie

Das Grundprinzip einer jeden Strahlentherapie ist, das ionisierende Strahlen das Erbgut einer Zelle zerstören, so dass sie sich nicht mehr teilen kann. Da diese zellschädigende Wirkung nicht spezifisch ist, betrifft das alle Zellen im Körper. Dennoch können körpereigene Reparatursysteme deutlich schneller und besser diese Schäden am Erbgut beheben, und gesundes Gewebe kann sich besser regenerieren als Tumore. Diese sterben ab und werden nach und nach vom Immunsystem beseitigt. Bei Darmkrebs ist die Strahlentherapie beim Rektum üblich, beim Kolon nur noch sehr selten in palliativen Situationen.

Systemische Therapien

Chemotherapie

Die Chemotherapie basiert auf Krebsmedikamenten, die oral oder intravenös verabreicht werden und in der Lage sind, die DNA-Synthese zu stören und neoplastische Zellen abzutöten. Es gibt viele Medikamente, die oft in Kombination eingesetzt werden. Eine Chemotherapie wird ab bestimmten Tumorstadien oft zuzüglich zu einer Operation angewendet, um beispielsweise große Tumoren – wie beim Enddarmkrebs mit Hilfe einer zusätzlichen Bestrahlung zu verkleinern und besser operierbar zu machen, oder um möglicherweise bereits vorhandene Mikrometastasen, also evtl. bereits vorhandene Absiedelungen des Primärtumors im Körper (Lunge, Leber usw.) zu beseitigen. Besonders bei fortgeschritteneren Tumorstadien spielt die Chemotherapie eine wichtige Rolle.

Chemotherapie beim Rektumkarzinom

Das Vorgehen ist je nach Lage des Tumors unterschiedlich. Als erstes unterscheidet man grob nach Befall im Rektum oder im Kolon. Sehr kleine und kleine Tumoren im Rektum ohne Lymphknotenbefall (T1 oder T2) können ohne Vorbehandlung sofort operiert werden. Sollte der Pathologe das Ergebnis bestätigen, erfolgt keine weitere Therapie, sondern die Nachsorge. Ergibt sich ein höheres Stadium (größerer Tumor oder Lymphknotenbefall), erfolgt bei tiefer sitzenden Tumoren eine Kombination einer postoperativen Strahlen- und Chemotherapie oder bei höher gelegenen Erkrankungen die Empfehlung, nur eine Chemotherapie durchführen zu lassen. Ist mit der Diagnose allerdings klar, dass der Tumor eine bestimmte Größe überschreitet bzw. Lymphknoten betroffen sind, gibt es zwei Möglichkeiten: In der Regel empfiehlt man eine kurze präoperative Strahlentherapie. Manchmal kann aber auch eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie vor der nachfolgenden OP angeraten sein. Beide Therapieformen haben Vor- und Nachteile, über die Ihr Arzt Sie beraten kann. Nach der OP wird in den meisten Fällen noch eine anschließende “adjuvante” (unterstützende) Chemotherapie durchgeführt.

Chemotherapie beim Kolonkarzinom

Bei den Kolonkarzinomen verhält es sich etwas anders. Im Stadium I (T1 oder T2 ohne Lymphknoten) kann mit lokalen Verfahren oder normaler OP sofort und ohne weitere Therapie behandelt werden. Das kommt selten vor. Die Stadien II und III werden ansonsten zuerst operiert. Eine nachfolgende “adjuvante” Chemotherapie sollte immer im Stadium III (Befall von Lymphknoten) erfolgen. Hier sprechen die Studiendaten sehr eindeutig für den Nutzen einer zusätzlichen Therapie. Im Stadium II kommt es “darauf” an. Liegen z. B. Risikofaktoren, wie u. a. T4 oder Lymph- oder Blutgefäßbeteiligung vor, würde man dem Patienten vielleicht eher zu einer additiven Therapie raten.

Liegen keine Risikofaktoren vor, kann man ggf. auf eine solche zusätzliche Therapie verzichten. Natürlich spielen auch das Alter und die vorhandenen Nebenerkrankungen eine Rolle. Ihr behandelnder Onkologe kennt sich mit genau diesen Situationen gut aus und kann Sie entsprechend beraten.

Chemotherapie beim Rektum- und Kolonkarzinom im Stadium IV

Für beide Lokalisationen (Rektum oder Kolon) gilt im Stadium IV (Metastasen vorhanden): Sollten die Metastasen gleich mit der Diagnosestellung operabel sein oder eventuell nach einer Vorbehandlung werden können, versucht man diesen Weg einzuschlagen (gleich OP oder erst Chemotherapie zur Verkleinerung der Metastasen und dann OP). Manchmal gelingen hier trotz fortgeschrittener Erkrankung große Erfolge.

Bestehen keine Chancen, mittels einer Kombination aus Chemotherapie und Operation eine Tumorfreiheit zu erzielen, bleibt immer noch die Gabe der systemische Chemotherapie alleine, in der Absicht die Erkrankung dann zwar nicht heilen zu können, aber lange Zeit aufzuhalten und zurückdrängen zu können. Neuerdings kommen auch moderne Immuntherapien bei der Behandlung des metastasierenden Darmkrebses zum Einsatz (bei bestimmten genetischen Veränderungen der Mikrosatelliten-Stabilität). Der Primärtumor im Darm muss dann auch nicht unbedingt operiert werden. Nur wenn beispielsweise Komplikationen wie ein Verschluss des Darmes in Kürze oder im Verlauf drohen oder der Tumor eine starke Blutung verursacht, wird eingegriffen.

Wie wird die Therapie durchgeführt?

Die Therapie wird “zyklisch” durchgeführt: jeder Zyklus dauert einige Tage und wird von einigen Wochen Ruhe gefolgt. Die Anzahl der Zyklen hängt von der Art des Tumors und natürlich vom Ansprechen auf die Medikamente ab, das von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein kann. Bereits vor der Operation kann eine Chemotherapie verordnet werden, um die Läsion zurückzubilden und möglichst wenig Gewebe zu entfernen; in diesem Fall wird sie als neoadjuvant definiert.

Welche Nebenwirkungen hat die Chemotherapie?

Leider hat jede Chemotherapie-Substanz Nebenwirkungen, denn wenn sie einmal in die Blutbahn gelangt, wirkt sie nicht nur auf kranke, sondern auch auf gesunde Zellen. Die Reaktion auf eine Chemotherapie ist sehr subjektiv und kann folgende Nebenwirkungen zeigen: Anämie, Übelkeit und Erbrechen, Hautreizungen, Entzündungen der Mundhöhle, verminderte Immunabwehr, Durchfall und Verstopfung, vorübergehende Ausdünnung oder Haarausfall, verminderte Fruchtbarkeit, die in einigen Fällen dauerhaft sein kann, vorzeitiger Eintritt der Wechseljahre. 

In vielen Fällen können supportive Medikamente und kleinere Anpassungen diese Auswirkungen minimieren. In den letzten Jahren hat die Forschung große Fortschritte gemacht, und es werden so genannte intelligente, zunehmend zielgerichtete Medikamente entwickelt, die die Nebenwirkungen auf den Körper reduzieren können.

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Systemische Therapien

Kombinierte Radio-Chemotherapie

Die kombinierte Radio-Chemotherapie vereint eine systemische mit einer lokalen, in diesem Falle Strahlungstherapie, z. B. in Form einer Chemotherapie als sog. “Pumpe” oder in Form von Tabletten/Kapseln parallel zu einer Bestrahlung (Radiotherapie) vor einer geplanten Operation.

Systemische Therapien

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien kommen vor allem bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren zum Einsatz. Es handelt sich dabei um Medikamente, die “zielgerichtet” v. a. gegen spezielle Merkmale des Tumors wirken, weil sie z. B. nur auf Tumorzellen vorkommen oder für das Tumorwachstum eine wichtigere Rolle spielen als für das normale und gesunde Gewebe (z. B. durch Hemmung der Gefäßneubildung, der sogenannten Angiogenese).

Was sind die Besonderheiten zielgerichteter Therapien?

Zielgerichtete Therapien können selektiv wirken, Aus diesem Grund werden sie auch als molekulare Zielmedikamente bezeichnet: Sie richten sich nur gegen bösartige Zellen und meiden gesunde Zellen. In den meisten Fällen können diese Medikamente nicht in die Zelle eindringen, aber durch die Bindung an das Zielmolekül deaktivieren sie einen der Mechanismen, die ihrer Teilung zugrunde liegen, und verhindern (oder verlangsamen) so wirksam das Tumorwachstum.

Welche Nebenwirkungen haben zielgerichtete Therapien?

Die Nebenwirkungen dieses Medikaments sind: Atemwegserkrankungen, allergische Reaktionen, Abnahme bestimmter weißer Blutkörperchen (Neutropenie), Anämie, Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Müdigkeit, Infektionen, Muskelschmerzen (Myalgie). 

Die beunruhigendsten, wenn auch seltenen Nebenwirkungen stehen im Zusammenhang mit seiner Kardio-Toxizität: Veränderungen in der kontraktilen Funktion des Herzens, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck.

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Weitere Therapien

Bei einzelnen oder wenigen Metastasen, z. B. in Leber und Lunge und / oder schlechter Erreichbarkeit für eine Operation kommen auch sogenannte lokale Therapieverfahren zur Anwendung (z. B. stark fokusierter Ultraschall (HIFU), eine Verödung von die Metastase versorgenden Blutgefäßen (sog. transarterielle Chemoembolisation, TACE) oder die Verödung von Metastasen mit Hitze mittels hochfrequenter Radiowellen (RFA). Wenn viele verstreute kleine Metastasen in der Leber vorliegen kann u. U. eine radioaktive Bestrahlung mittels in die Leber eingebrachter Mikrokügelchen (SIRT) erfolgreich sein.

Neuartige Therapien

Neue Therapien verbessern Heilungschancen: Immer häufiger werden Tumoren nicht allein Aufgrund ihrer Herkunft (z. B. aus dem Darm o.a.) behandelt, sondern infolge bestimmter spezieller biologischer Eigenschaften. So werden z. B. bei sog. mikrosatelliteninstabilen Tumoren bereits heute moderne Immuntherapeutika eingesetzt und bei anderen selten auftretenden Mutationen in den Darmkrebszellen neuartige Proteinkinase-Medikamente verwendet um bestimmte Signalwege in den Tumorzellen zu hemmen. Und: Die Entwicklung von Medikamenten geht kontinuierlich weiter…

Therapien gegen Nebenwirkungen

Wichtig ist, dass die ev. Nebenwirkungen der Therapien oder die Symptome der Grunderkrankung genau so intensiv behandelt werden, wie der Tumor selber. Dazu gehört die ausreichende Behandlung von möglichen Schmerzen, die Bekämpfung von Übelkeit durch moderne Medikamente, die Ernährungstherapie, die Pflege der Haut, die Regulation der Verdauung usw., selten ist auch einmal mit der Gabe von Blutkonserven zu rechnen. Glücklicherweise stehen uns heute in der modernen Medizin sehr gute Medikamente zur Verfügung, die den Patienten helfen, die meisten der o.g. Folgeerscheinungen sehr gut zu bewältigen.

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Das Stoma

Grundsätzlich bedeutet “Stoma” “Mund” oder “Öffnung”. Bei Darmkrebs meint ein Stoma einen künstlicher Darmausgang in Form einer Öffnung in der Bauchwand, der während der OP angelegt wird und durch den die Ausscheidungen des Darmes nach Außen in einen Beutel erfolgen. Durch die fehlenden Nervenenden in der Schleimhaut können Stomaträger nicht fühlen, wann Stuhl ausgeschieden wird oder werden muss.

Warum brauche ich ein Stoma?

Ein Stoma braucht man manchmal, wenn der Darm aufgrund einer Operation entweder nicht mehr voll funktionsfähig ist oder geschont werden muss. Ein Stoma ist im Prinzip eine Verbindung zwischen innen und außen, also beispielsweise zwischen Darm und Haut. Vielleicht erscheint es Ihnen zuerst als sehr fremd oder unangenehm, eine künstliche Verbindung nach außen zu bekommen. Aber eine Stomaanlage verbessert deutlich die Lebensqualität und lindert die Beschwerden. Eine Stomaanlage muss weder für immer sein, noch benötigt sie eine bestimmt Diät. Mit einer Stomaanlage ist wieder ein weitgehend normaler Alltag möglich. Man kann arbeiten, Sport treiben, reisen oder andere Hobbys genießen.

Was genau macht eine Stomaanlage?

Als Stoma im engeren Sinne bezeichnet man die Öffnung der Haut, die operativ geschaffen wurde, um nun die Verbindung zum Darm zu schaffen. Die Stomaanlage ist also dafür da, dass Sie über die Haut in einen Beutel ausscheiden und nicht wie gewohnt auf die Toilette gehen. Das heißt aber auch, dass keine kontrollierte Darmentleerung mehr möglich ist. Sie verlieren also den Drang, auf Toilette gehen zu müssen.

Wo genau befindet sich die Stomaanlage?

Der Auffangbeutel ist direkt auf einer Haftfläche auf der Haut über dem Stoma (also der Hautöffnung) angebracht. Die Haftfläche wiederum ist auf dem Bauch geklebt und liegt bündig um das Stoma (die Hautöffnung) an. Mithilfe eines Filters, können Gase ausgeleitet werden, so dass die Beutel geruchsneutral bleiben.

Gibt es verschiedene Stomaarten?

Ja, es gibt sehr viele unterschiedliche Stomaanlagen, je nach Operationsart und Aufgaben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen doppelläufigen und endständigen Stomaanlagen bei künstlichen Dickdarmausgängen, auch Kolostoma genannt.

Ein doppelläufige Kolostoma wird meistens dann angelegt, wenn der Darm geschont werden muss und eine Rückverlegung als sehr wahrscheinlich gilt.

Doppelläufig heißt, die Stomaanlage hat zwei Öffnungen auf der Haut. Eine Darmschlinge wird also vor die Bauchhaut gezogen und eingeschnitten, aber eben nicht vollständig durchtrennt,, so dass zwei Öffnungen entstehen. Die eine Öffnung dient dann ganz wie bei den anderen Stomaarten auch der Ausscheidung, die andere Öffnung wird verschlossen, um den Darm zu schonen. Nach der Heilung werden die zwei durchtrennten Stücke der Darmschlingen wieder zusammengefügt.

Der größte Teil der Ausscheidung wird über das Stoma geleitet. Das heißt aber auch, dass mit einem doppelläufigen Stoma ein Druckgefühl, auf die Toilette gehen zu müssen, noch vorhanden sein kann. Auch können kleine Stuhlmengen wie gewohnt über den After ausgeschieden werden. Normal ist hierbei, dass die Konsistenz etwas dünnflüssig und z. T. mit Schleim vermischt ist.

Das endständige Kolostoma weist hingegen nur eine Öffnung auf. Hier wurde ein Teil des Darms entfernt, der After aber bleibt meistens erhalten. Dann ist auch hier eine temporäre Stomaanlage möglich. Allerdings wird bei einer kompletten Entfernung eines Darmabschnitts der After zugenäht. Dann ist das Stoma nicht mehr temporär, sondern permanent.Neben diesen verschiedenen Kolostomaanlagen gibt es noch verschiedene Dünndarmausgänge (Ileostoma). Für eine alternative Harnableitung, endständig (gibt es nicht doppelläufig), ist das Urostoma verantwortlich.

Wie funktioniert ein Urostoma?

Bei einem Urostoma wird Urin über ein zweckentfremdetes Darmstück ausgeleitet. Die Harnleiter werden von der Blase abgetrennt und in den Darmabschnitt implantiert. Das distale (vom Herzen am weitesten entfernte) Ende des Darmes wird als Stoma durch die Bauchdecke ausgeleitet und das proximale (in der Körpermitte befindliche) Ende blind verschlossen. Der Harn wird in einem Beutel gesammelt.

Wie wird eine Stomaanlage gelegt?

Bevor es zu einer Operation kommt, werden Sie in einem Aufklärungsgespräch ausführlich über die Vorteile, aber auch möglichen Risiken informiert. Der Arzt wird Ihnen ausführlich erläutern, wie die Operation ausgeführt wird. Dann wird gemeinsam die Stomamarkierung gesetzt. Das Stoma wird angelegt, indem der Darm durch eine Öffnung in der Bauchdecke durchgezogen wird und an der Bauchdecke mit Einzelknopfnähten fixiert wird. Die Ausscheidung wird dann durch einen Stomabeutel aufgefangen. Diese sind in unterschiedlichen Varianten verfügbar.

Es gibt künstliche Versionen, genannt Pouch (engl. für Beutel, Tasche) oder eine natürliche Ersatzblase aus körpereigenen Dünndarmanteilen. Es gibt unterschiedliche OP-Techniken, die von der jeweiligen Grunderkrankung abhängig sind, beispielsweise minimal-invasiv mittels Laparoskopie (Schlüssellochtechnik) oder offen chirurgisch. Viele Operationen werden heutzutage auch roboterassisiert wie durch das Da-Vinci-Operationssystem durchgeführt.

Wann wird mein Stoma wieder entfernt?

Oft dient ein Stoma nur einer zeitlich begrenzten Schonung des Darms. Daher wird es unter gewissen Umständen wieder entfernt.

  • nach einer erfolgreichen Strahlen- und Chemotherapie
  • nach der Heilung der Grunderkrankung, weshalb es zu einer Stomaanlage kam
  • wenn die Darmentzündung ausgeheilt ist
  • nachdem die Darmnähte verheilt sind.

Bedingung ist aber immer, dass der Schließmuskel intakt ist.

Die Stuhlausscheidung ist nach der Rückverlagerung nicht gleich wieder so wie vor der Stomaanlage Der Darm ist kürzer, und in der Zeit der Ruhigstellung bilden sich einzelne Darmschichten zurück. Daher kann es zu vorübergehenden Funktionseinschränkungen kommen. Die Darmflora muss sich erst wieder aufbauen, um Flüssigkeiten und Nährstoffe ausreichend resorbieren zu können. Der Darm arbeitet schneller als normal, da er sich erst wieder an seine eigentliche Tätigkeit gewöhnen muss, ist aber nicht so effektiv, was man daran erkennt, dass der Stuhl flüssiger ist und man öfter auf die Toilette muss.

Die Regeneration dauert zwischen 6 Monaten bis zu einem Jahr, in Ausnahmefällen auch länger.

Was kann ich selbst tun?

Die Beckenbodengymnastik ist ein ganz wichtiger Bestandteil zur erfolgreichen Rückverlegung, um die Muskulatur gezielt anspannen und entspannen zu können. Sie erlernen diese in der Anschlussheilbehandlung, aber auch bei verschiedenen dafür ausgebildeten Therapeuten.

Wie pflege ich mein Stoma?

Die Pflege und Hygiene des Stomas und seiner Umgebung ist wichtig für die reibungslose Funktion und die Schonung der umliegenden Haut. Nach der Stomaoperation werden Sie von speziellen Fachkräfte wie Enterostomatherapeuten angelernt, wie Sie den Versorgungswechsel Schritt für Schritt selbst durchführen können. Dennoch möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Reinigung der Haut besonders schonend erfolgen sollte, da sie durch das Stoma schon genügend strapaziert wird. Meistens reicht die Reinigung mit warmen, aber nicht heißem Wasser völlig aus. Falls Sie dennoch Reinigungsmittel verwenden wollen, achten Sie bitte darauf, dass es ph-neutral ist.

Was sollte ich nicht benutzen?
  • Zellstoffe, da sie fusseln und in das Stoma gelangen können.  
  • Waschlappen und Schwämme, da sie Keime bilden können.
  • Ölbäder, Salben oder Crèmes, da sie die Haftfähigkeit der Hautschutzplatte beeinträchtigen können.
  • Alkohol und Elektrorasierer oder Enthaarungscrèmes, da sie zu aggressiv für die Haut sind
Gibt es Besonderheiten, die ich bei meiner Ernährung beachten muss?

Es gibt nur wenige Einschränkungen, die für Stomaträger gelten. Grundsätzlich achten Sie bitte darauf, dass Sie gut kauen und langsam essen. Vermeiden Sie faserhaltige und blähende Speisen. Ansonsten können Sie sich wie gewohnt ernähren. Achten Sie aber darauf, dass Sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen (2-3 Liter pro Tag). Gut für die Verdauung ist beispielsweise Anis-Fenchel-Kümmel Tee. Und es ist empfehlenswert, ein Ernährungsprotokoll zu führen, um etwaige Komplikationen nachzuvollziehen.

Mutmacher

Die heutigen Stomaanlagen sind so flexibel und klein, dass Sie im Prinzip keine Alltagseinschränkungen mehr haben. Auch Ihre Ernährung müssen Sie nicht komplett umstellen. Manchmal kann ein Stoma auch rückverlegt werden. Dann übernimmt wieder Ihr Darm seine Arbeit.

Mutmacher

Auch wenn die Rückfallquote leicht erhöht ist, kann ein Lokalrezidiv vollständig geheilt werden.